Lange haben die Räume der ehemaligen Bundeswehrakademie im Schaumburgweg unterhalb des Krankenhauses leer gestanden. „Nach zügigen Verhandlungen“, wie Bürgermeister Peter Koester in der offiziellen Pressekonferenz am 12. September 2008 betonte, ist mit dem European Institute of Applied Buddhism (EIAB) ein neuer Eigentümer gefunden, der „eine wichtige kulturelle Bereicherung für unsere Stadt ist“. Peter Koester wünsche sich „ein offener Haus, ein gutes Zusammenwirken und ein enges Miteinander“ mit den neuen Eigentümern. Erst ein paar Tage zuvor war der Kaufvertrag zwischen der Bundesanstalt für Immobilien-Angelegenheiten (B.I.M.A.) und dem EIAB geschlossen worden.
Der Bürgermeister konnte neben dem Zen Meister Thich Nhat Hanh, dem leitenden Abt Bishu Thich Phap An, Frau Dr. Thuc-Quyén, der Geschäftsführerin des Europainstituts und Herr Dr. Alexander Puplick, dem Rechtsbeistand aus Dortmund, zahlreiche buddhistischen Nonnen und Mönche begrüßen.
Ebenso freute sich der Bürgermeister über die Vertreterinnen und Vertreter der im Waldbröler Rat vertretenen Parteien, insbesondere die Mitglieder des sog. Konversionsausschusses, der sich speziell mit dem Thema der Vermarktung von leer stehenden Bundeswehrimmobilien befasste, Vertreterinnen und Vertreter der Verwaltung, der B.I.M.A., der Kirchen, die hiermit zeigen, dass Sie die kulturelle Vielfalt leben wollen und die Presse, die zahlreich erschienen war.
In Rahmen der Pressekonferenz wollte der Bürgermeister es nicht versäumen, einigen Personen oder Personengruppen zu Danken, die sich für das heutige Ergebnis stark eingesetzt haben. „Mein Dank gilt dem leider aus dienstlichen Gründen nicht anwesenden sein könnenden Herrn Schildberg von der eben genannten B.I.M.A., der in ständigem Austausch mit dem Erwerber und der Stadt an einer zügigen und einvernehmlichen Lösung gearbeitet hat, Herrn Becker, unserem Wirtschaftsförderer, der seitens der Stadt die Fäden in der Hand gehalten hat, im stetigen Austausch mit den Beteiligten war und sich sehr für die Nachfolgenutzung dieses Hauses eingesetzt hat, der Konversionsgruppe des Rates, die überparteilich dieses Ergebnis begrüßt und dem Bundeswehrdienstleistungszentrum Köln, insbesondere Herrn Meyer, der guten Seele dieses Hauses, der sich um das Gebäude kümmerte“. Auch dankte Peter Koester dem städtischen Bauhof, der das Äußere schnell auf Vordermann gebracht hat und allen Menschen, die in irgendeiner Form zum Gelingen dieses Abschlusses und auch dieses Tages beigetragen haben.
„Ich möchte Ihnen sagen, dass ich mich als Bürgermeister freue, Sie in unserer Stadt herzlich willkommen heißen zu können und wünsche mir ein offenen Haus und ein wunderbares Zusammenleben. Es wird ein Haus des Friedens werden und vielleicht kann Waldbröl ein Vorbild für die Welt werden. Ich freue mich, denn Sie stellen eine wichtige kulturelle Bereicherung für unsere Stadt, den Oberbergischen Kreis das Land und darüber hinaus dar.
Ich verbinde mit meinen Wünschen aber auch die Hoffnung auf ein enges Miteinander, sei es mit der Verwaltung, der Politik, den Kirchen und Religionsgemeinschaften, den örtlichen Vereinen, den ortsansässigen Handwerkern und Unternehmen, da es ja noch einen riesigen Reparaturstau gibt, dem Einzelhandel und der Bevölkerung“.
Als äußeres Zeichen überreichten Peter Koester und Eckhard Becker im Namen der Stadt, des gesamten Rates und der Bürgerschaft das Symbol des Willkommens, nämlich Salz und Brot.
„Ich fühle mich, als wäre ich in diesem Gebäude neu geboren worden“, meinte Thich Nhat Hanh und fügte mit einem Schmunzeln hinzu, „vielleicht kann mir der Bürgermeister heute eine neue Geburtsurkunde ausstellen.“
Das EIAB will Waldbröl zu seinem zweiten Hauptzentrum in Europa machen, neben dem 1982 von Thich Nhat Hanh gegründeten „Plum Village“ in der Nähe von Bordeaux. Die Räumlichkeiten der alten Akademie bieten für die angewandte buddhistische Praxis „der Transformation und Heilung“, die in dem Institut gelehrt und praktiziert werden soll, ideale Voraussetzungen. Das Gebäude sei bisher sicher eines der prächtigsten, das man für seine Zwecke genutzt habe, sagte Thich Nhat Hanh.
Einer der zentralen Begriffe, die der 1926 in Vietnam geborene Thich Nhat Hanh in den Mittelpunkt seiner Lehre gestellt hat, ist der der Achtsamkeit. Dabei geht es ebenso um die Achtsamkeit miteinander wie um die Freiheit des Denkens, Themen, die Thich Nhat Hanh, der schon im Alter von 16 Jahren in ein Kloster in Huê eingetreten ist, neben der täglichen Praxis in vielen Büchern theoretisch vertieft hat, Bücher, die in seiner kommunistisch geführten Heimat noch bis vor drei Jahren größtenteils verboten waren, wie er berichtete. Erst 2005 durfte Thich Nhat Hanh Vietnam erstmals nach 39 Jahren des Exils wieder besuchen.
Ehe sich die Mönche und Nonnen in Waldbröl mit einem „Friedenslied“ von ihren Gästen verabschiedeten, versicherte Thich Nhat Hanh den anwesenden Bürgern, den Vertretern der Stadt und der Kirchen, dass „der Dialog zu den Religionen“ von ganz entscheidender Bedeutung für ihn und sein Institut sei. Das Haus in Waldbröl stehe für alle offen, gleich ob mit oder ohne Glaube. „Um die Praktiken der Meditation zu erlernen, müsse man kein Buddhist sein“, so Thich Nhat Hanh.