Farbe für das "schwarze Loch"

Werbebanner in der Passage am Merkurhaus
Werbebanner in der Passage am Merkurhaus
Der Waldbröler Unternehmer E. Richter (Kinderland) vor den Werbeflächen
Der Waldbröler Unternehmer E. Richter (Kinderland) vor den Werbeflächen

Auf die Frage „Wo möchten Sie denn hin?“, reagierte die Frau aus dem Westerwaldkreis reichlich irritiert. „Zu Woolworth natürlich.“ Dass das Waldbröler Kaufhaus längst geschlossen ist, hatte die Dame nicht mitbekommen, setzte sich kurzerhand wieder in ihr Auto und rauschte davon. Die verhinderte Kundin gestern war sicherlich ein Einzelfall, doch ihr Verhalten ist symptomatisch für die derzeitige Situation des Waldbröler Einzelhandels: Woolworth war ein Käufer-Magnet, von dem weite Teile der Händler profitiert haben.

Von dem gesamten Merkurhaus-Komplex sprechen die Waldbröler nur noch als dem „schwarzen Loch“. Zwar soll im Januar, wenn die HBB den Kaufvertrag für den ehemaligen Woolworth-Teil unter Dach und Fach hat, das Bebauungsplanverfahren in Gang gesetzt werden, doch mit dem Abriss ist frühestens Ende des nächsten Jahres zu rechnen. „Wenn alles gut geht“, schränkt Eckhard Becker, Geschäftsführer der „Wir für Waldbröl“-GmbH ein. Für Oktober 2011 ist allerdings bereits die Eröffnung des neuen Geschäftshauses geplant. Um den Leerstand nicht ganz so grausam aussehen zu lassen, hat die „Wir für Waldbröl“-GmbH gemeinsam mit Waldbröler Einzelhändlern eine „Deko-Offensive“ gestartet, die seit gestern im ersten der Schaufenster zu sehen ist.

13 Händler werben dort auf Bannern im doppelten DIN-A1-Format für sich, zusätzlich ist das Fenster weihnachtlich mit Tannenbaum, Schnee und ersten Produkten aus dem Eine-Welt-Laden dekoriert.

Die GmbH hat die komplette Reinigung übernommen und auch Nazi-Schmierereien an den Wänden überpinselt. „Die Bevölkerung soll merken, dass sich hier dennoch was tut“, sagt Eckhard Becker. Die Überlegung der Händler sei dabei gewesen, für möglichst wenig Geld eine optische Aufwertung des „schwarzen Loches“ zu erreichen. Die Dekoration soll dabei jeweils den Jahreszeiten angepasst werden.

Die großen Woolworth-Schaufenster bleiben allerdings vorerst ausgespart. „So lange der Kauf nicht endgültig perfekt ist“, berichtet Eckhard Becker, „besteht auch keine Zugangsmöglichkeit für diesen Gebäudeteil.“

(Quelle: OVZ v. 01.12.2009)