Ein Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft, mindestens 40 Prozent Frauen in den Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen und einen gesetzlichen Mindestlohn für alle Branchen, das fordert die 20. Bundeskonferenz der kommunalen Frauen und Gleichstellungsbeauftragten, die vom 2. bis 4. Mai 2010 in Wuppertal getagt hat.
Die Bundeskonferenz findet alle zwei Jahre statt und formuliert Positionen und künftige Arbeitsschwerpunkte in der Gleichstellungspolitik. Sie ist außerdem eine Plattform zur Vernetzung mit Experten und Expertinnen aus Gesellschaft, Wissenschaft, Politik und Medien.
Teilnehmerinnen der Konferenz waren auch die Gleichstellungsbeauftragten aus Waldbröl, Wipperfürth, Wiehl, Radevormwald und Gummersbach. Als eine der sieben Bundessprecherinnen, war die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Waldbröl, Carmen Muñoz-Berz, zudem mitverantwortlich für die Vorbereitung und Durchführung der Konferenz mit dem Motto "Geschlechterkultur im Wandel".
„Der Wandel hin zu einer eher ausgeglichenen Arbeitsteilung in Partnerschaften findet in Deutschland nur langsam statt. Die Forschung belegt, dass vor allem die Geburt des ersten Kindes oft die bestehenden Rollenbilder festigt“, so Carmen Muñoz-Berz.
In Fachvorträgen und Foren wurde über neueste Daten und Fakten zur Situation der Gleichstellung informiert und diskutiert.
In der Abschlusserklärung der Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros sind die zentralen Ergebnisse zusammengefasst:
Das geht aus neuesten Berechnungen des Statistischen Bundesamtes für das Jahr 2009 hervor. Im Schnitt verdienen danach Frauen 15,08 Euro in der Stunde, Männer 19,50 Euro. Der Gehaltsunterschied zieht sich quer durch alle Branchen. Petra Ganser (ver.di), Referentin der Bundeskonferenz, stellte fest: 70 % der Beschäftigten im Niedriglohnsektor sind weiblich. Sie geht davon aus, dass eine Lohnuntergrenze das ganze Lohngefüge stabilisiere und damit auch die Lohnspreizung zwischen Männern und Frauen abnähme.
Im internationalen Vergleich gehört die Bundesrepublik inzwischen sogar zu den Schlusslichtern: Während in Norwegen der Anteil von Frauen in Aufsichtsräten bei 42 % liegt, sind Frauen in Deutschland mit 13 % in den Führungsetagen völlig unterbesetzt. Deutschland liegt damit noch hinter Litauen (15 %) und Bulgarien (17 %). Diese Situation sei skandalös, sagte Ramona Pisal (Deutscher Juristinnenbund) auf der Bundeskonferenz. "Die freiwillige Selbstverpflichtungen der Unternehmen gehen ins Leere." Deutschland solle es Frankreich, den Niederlanden, Spanien und Schweden nachmachen, die den Unternehmen gesetzlich vorschreiben wollen, wie viele Sitze in Aufsichtsräten und Vorständen von Frauen besetzt werden sollen. Nur dann hätten diese in Deutschland und den meisten Nachbarländern in Zukunft eine Chance auf Spitzenpositionen.
"Wenn sich in Zukunft nicht genügend Unternehmen selbst verpflichten, mehr Führungspositionen mit Frauen zu besetzen, dann werden wir im äußersten Fall eine Mindestanteilsregelung im Stufenplan festlegen". Das sagte Eva-Maria Welskop-Deffaa, Abteilungsleiterin für Gleichstellung im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und verweist auf den Koalitionsvertrag der Bundesregierung. Dort haben sich CDU und FDP auf einen Stufenplan für mehr Frauen in Führungspositionen verpflichtet.
„Die Sprecherinnen der Bundeskonferenz begrüßen die Initiative der Bundesregierung. Deshalb wird die Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros (BAG) die weiteren politischen Schritte aufmerksam begleiten“, formuliert Carmen Muñoz-Berz abschließend.