„Ich bin hier voll in meinem Element!“, rief Ivan bereits am ersten Tag des Schüleraustausches zwischen dem Collège „Le Trion“ in Samer (Frankreich) und der Gesamtschule Waldbröl. Insgesamt 12 Schüler und Schülerinnen besuchten in Begleitung ihrer Französischlehrer (Inga Birr, Jakobus Bönisch) vom 27.2.-6.3. ihre französischen Austauschschüler.
„Die sind hier ja alle so nett!“, schwärmten die Deutschen von Anfang an. Die Sprachhemmungen wurden in dieser Gruppe sehr schnell überwunden. Von Beginn an fand ein reger Austausch zwischen Franzosen und Deutschen statt.
Das Programm war vielfältig: die Gruppe besuchte das meeresbiologische Museum Nausicaá in Boulogne, das Strandbad Wimereux, absolvierte einen Kurs im Strandsegeln und bezwang den anspruchsvollen Parcours eines Hochseilgartens. Es war ein gewisses Risiko, Anfang März im Norden Frankreichs den größten Teil des Programms draußen stattfinden zu lassen und die Unwetterwarnung vor „Xynthia“ brachte manche Eltern in Unruhe. Aber die Gruppe hatte Glück: „Xynthia“ verschonte die Gegend rund um Samer weitgehend und anschließend bescherte der Wettergott den Jugendlichen 5 Tage lang wolkenfreien Himmel und strahlenden Sonnenschein.
Der Austausch zwischen Samer und Waldbröl hat Tradition: bereits zum 17. Mal begegnen sich Jugendliche der beiden Schulen. 17 Jahre, in denen sich viel verändert hat. Den größten Unterschied macht die Selbstverständlichkeit, mit der die Jugendlichen sich und ihre Eltern dank Flatrate zum Nulltarif über die neuen Medien erreichen können. Vor 10 Jahren noch war der Schritt in die Fremde für die Jugendlichen noch viel größer: kein Handy, kein Internet und telefonieren war teuer. Damit waren die Schüler in den französischen Familien auf sich gestellt. Heute sitzen sie vor dem Computer und chatten mit mehreren deutschen Freunden gleichzeitig.
Der Schüleraustausch bleibt jedoch für alle ein besonderes Ereignis und für manchen eine wegweisende Erfahrung. So hängt gerade ein Brief eines ehemaligen Schülers im Lehrerzimmer des Collège, in dem er sich bei seiner Deutschlehrerin Mme Drot insbesondere für den Austausch bedankt, der seiner Meinung nach ausschlaggebend dafür sei, dass er nun in Tübingen Germanistik studiert.
Leider handelt es sich bei dem diesjährigen Austausch um das letzte Jahr, in dem der Austausch stattfindet. In Frankreich lernen immer mehr Schüler Spanisch anstelle von Deutsch, so dass es nicht mehr genug teilnehmende Schüler gibt. Folglich ist die Gesamtschule Waldbröl für die Zukunft auf der Suche nach einer neuen Partnerschule.
Denn dass die Deutschen den Austausch fortsetzen wollen, steht fest. Für die Motivation beim Erlernen einer Fremdsprache ist der Kontakt mit Muttersprachlern unerlässlich. Und wann hört man im Schulalltag schon mal Sätze wie den Ausruf der 14jährigen Ave während der Zeit in Samer: „ Boah! Ich habe gestern voll viel gelernt!!!“