Waldbröl liegt nicht an der Isar und auch der Ballermann ist ziemlich weit weg? Nicht zwangsläufig, wenn alljährlich Anfang Oktober beim „Waldbröler Oktoberfest“ beide Stilrichtungen ausgerechnet in eben dieser oberbergischen Kleinstadt dergestalt aufeinander treffen, dass es kracht! Dank selbstlosestem Einsatz regionalen Anhänger bis weit in den folgenden Morgen wurde das feucht-graue Waldbröler Matschwetter schon an der Garderobe des Hermesdorfer Festzeltes gegen eine nicht weniger feuchte weiß-blaue Ausgelassenheit eingetauscht. Denn die unmittelbar anschließend verabreichte überwiegend alkoholische Wegzehrung bildete die solide Grundlage für die mentale Abkürzung auf dem sonst recht weiten Weg zwischen den Welten. Oder lediglich zur Bühne, wo illustre Szenegrößen die Stimmung weiter anheizten mittels eindrucksvoller Lightshow, ansehnlicher Weiblichkeit, ohrenbetäubender Beats und nicht zuletzt natürlich eigener Sangeskunst. Das gesamte Repertoire des bekannten deutschen Pop-Schlagers wurde kraftvoll aufgeboten gegen die oberbergische Tristesse. Mit durchschlagendem Erfolg schon lange bevor sich der selbsternannte König die Ehre gab und die emotionale Trennung zwischen den Bühnenarbeitern und solchen davor vollends aufhob. Erstaunlich nur für daheim gebliebene, signalisierten doch viele Besucher schon durch ihr folkloristisches Outfit, wo der bayrische Bierbrauer seinen Hopfen hängen hat. So unterschiedlich die Dirndl, Lederhosen oder Trachtenjanker inhaltlich an diesem Abend auch waren, einte sie doch alle die Begeisterung für zünftige, urtümliche Lebensfreude der etwas lauteren Art.
Weitere Fotos auf www.lokalanzeiger.de