EIAB sucht Helfer für das Projekt "Heilende Herzen"

Gebäude mit bewegter Geschichte: Aus der ehemaligen Ev. Heil- und Pflegeanstalt wurden 1938/39 mehr als 700 psychisch kranke und geistig behinderte Patienten deportiert, bevor das Nazi-Regime das Gebäude im Schaumburgweg zu einem KdF-Hotel umbaute. Später beherbergte es für viele Jahre eine Akademie der Bundeswehr, heute ist es das größte buddhistische Zentrum Europas.

Freitag, 11.05.2012 - 10:30 Uhr

Gastbeitrag von Schwester Jewel, Europäisches Institut für angewandten Buddhismus.

 

Liebe Freunde,

wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns der  mehr als 700 psychisch kranke und geistig behinderte Patienten zu gedenken, die in der Nazizeit 1938-1939 aus der Evangelischen Heil- und Pflegeanstalt, Waldbröl verlegt wurden. Viele von ihnen wurden ermordet (s.u.).

Verhungert, vergiftet, unterkühlt… das Euthanasieprogramm

Unseren Nachforschungen zufolge verlegte die NSDAP die gesamte Einrichtung in das Kloster Waldbreitenbach in Hausen, 70 km von Waldbröl entfernt, um das Gebäude in ein Kraft durch Freude-Hotel umwandeln zu können. Viele der Patienten, die aus der Waldbröler Pflegeanstalt verlegt worden waren, blieben von der ersten Welle des Euthanasie-Programms in Hausen verschont. Dies verdanken sie einigen Krankenhausangestellten, die den Prozess der Selektion der Patienten, die getötet werden sollten, bewusst verzögerten. 320 der 700 Patienten waren arbeitsfähig und durften in Hausen bleiben; die meisten überlebten sowohl das Euthanasie-Programm als auch die Entbehrungen / Wirren des Krieges. Die übrigen 470 Patienten, welche nicht arbeitsfähig waren, wurden auf andere Einrichtungen verteilt , wo die meisten von ihnen ermordet wurden. Zu den häufigsten Todesursachen zählen der Tod durch Verhungern, Unterkühlungen und Vergiften. (Bitte nehmen Sie Kontakt mit uns auf, wenn Sie genauere historische Hintergründe erfahren möchten.)

Heilung alter Wunden

Nach dem Krieg wurde das Gebäude zum allgemeinen / städtischen Krankenhaus der Stadt Waldbröl. In den sechziger Jahren zog das Krankenhaus an seinen heutigen größeren Standort und das Gebäude wurde fortan durch die Bundeswehr genutzt.  2007 erwarben der aus Vietnam stammende Zen-Meister Thich Nhat Hanh und seine Gemeinschaft das Gebäude und machten es zum Europäischen Institut für Angewandten Buddhismus (EIAB) oder The European Institute of Applied Buddhism.

 

Am 22. August 2012 werden wir  Teile des EIAB, die bereits renoviert sind, offiziell neu eröffnen, d.h. das gesamte Erdgeschoß wird das erste Mal seit der Gründung des EIAB vor vier Jahren der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dieser feierliche Anlass umfasst sowohl eine Ausstellung vieler Kalligrafien und Bücher Thich Nhat Hanh‘s als auch die Einweihung eines Meditationsgartens, der den neuen Zugang zum EIAB bilden wird. Dieser Garten wird ein Tor und einen Stupa (traditioneller buddhistischer Ort des Gebets) haben um den die Besucher in Achtsamkeit herumgehen können. Das Tor und der Stupa werden aus großen Steinsäulen gefertigt, die über siebzig Jahre ungenutzt im EIAB-Gebäude gelagert wurden und ursprünglich von den Nationalsozialisten genutzt werden sollten, um  am Haupteingang des EIAB Gebäudes einen prunkvollen Balkon zu stützen. Diese Einweihung stellt einen wichtigen Schritt zur Heilung der Wunden dieses Landes  sowie der Transformation der tragischen Geschichte dieses Gebäudes dar. In einer der Kalligrafien Thays heißt es:

Aus dem Schlamm von Diskriminierung und Fanatismus,
ziehen wir den Lotus der Toleranz und Inklusivität.

Fertigen Sie selbst ein Heilendes Herz an

Als einen Teil dieser wichtigen Arbeit der Transformation für unsere und zukünftige Generationen laden wir Sie ein, mit uns gemeinsam 700 Herzen aus Stoff herzustellen, um das Andenken an die 700 psychisch kranken und geistig behinderten Patienten zu bewahren, die einst in diesem Gebäude lebten. Diese Herzen werden dann in einer Ausstellung gezeigt; eine künstlerische Installation von mobilen Objekten und Skulpturen und Exponaten in Schau-Vitrinen wird dann im beeindruckenden Erdgeschoss für Besucher ganzjährig zu sehen sein. Die Einweihung am 22. August 2012 ist auch der Tag der Ausstellungseröffnung der „Heilenden Herzen“.

Wenn Sie möchten, gestalten Sie ein Herz, indem Sie aus einem beliebigen Stoff zwei herzförmige Stücke ausschneiden. Dies kann ein Stoff sein, den Sie noch zu Hause finden oder der eine besondere Bedeutung für Sie hat. Anschließend können Sie die beiden Hälften per Hand oder mit der Maschine zusammennähen und das Herz mit Baumwolle, Wolle oder einem anderen haltbaren Material auspolstern, damit ein dreidimensionaler Eindruck entsteht. Das Herz sollte in etwa der Größe Ihrer Handfläche entsprechen – über etwas größere oder kleinere Herzen freuen wir uns selbstverständlich auch. Lassen Sie Ihrer Kreativität bei der Gestaltung ihres Herzens freien Lauf (z.B. Besticken, Dekorieren etc.)! Bitte fragen Sie erst bei uns nach, falls Sie ein Herz aus einem anderen Material fertigen möchten.

Einladung zur Erinnerung

Wir laden sowohl die Kirchen, die Glaubensgemeinschaft der Moschee und andere spirituelle Gemeinden Waldbröls als auch Schüler, Lehrer, Rentner, Geschäftsleute, Nachbarn, Besucher des EIAB und alle anderen Interessierten dazu ein, gemeinsam mit uns an diese 700 Patienten zu erinnern. Bitte leiten Sie diesen Brief an Menschen weiter, die vielleicht ebenfalls an diesem Projekt teilnehmen möchten. Wir laden alle möglichen Institutionen der Region dazu ein, uns bei der Umsetzung / Realisierung des Projekts zu unterstützen.

Wir möchten, dass sich so viele Menschen wie möglich an der Aktion „700 Herzen der Heilung“ beteiligen können. Wenn Sie z.B. künstlerisch  oder politisch interessierte Menschen kennen, die Interesse haben könnten, uns bei der Konzeption der Ausstellung der 700 Herzen zu unterstützen,  würden wir uns sehr freuen, wenn Sie diese ansprechen könnten.

Sehr dankbar sind wir auch für Ihre Unterstützung für die Nachforschung und Dokumentation der Geschichte der Patienten, die während der nationalsozialistischen Zeit in diesem Haus untergebracht waren. Vielleicht kennen Sie sogar jemanden der eine persönliche Geschichte zu einem der Patienten beitragen oder uns  Fotos ehemaliger Patienten zur Verfügung stellen kann..

Eine besondere Bitte an Lehrer/innen: Bitte laden Sie Ihre Schüler/innen dazu ein, die Herzen mit uns zu gestalten. Wir möchten so viele Menschen in Waldbröl und Umgebung wie möglich involvieren, um mit deren Hilfe die 700 Heilenden Herzen zu erreichen. Falls sie Kunstschüler/innen kennen, die daran interessiert wären, uns bei der Installation und Präsentation der Heilenden Herzen zu helfen, wären wir für deren Unterstützung sehr dankbar. Bitte erzählen Sie Ihren Schüler/innen von unserem Projekt und ermutigen Sie sie, sich bei uns zu melden.

Außerdem würden wir es sehr begrüßen, wenn sich Schüler/innen fänden, die sich an der weiteren Recherche und Dokumentation des historischen Hintergrunds für die Ausstellung beteiligen möchten. Das Einverständnis der Angehörigen vorausgesetzt, wäre es beispielsweise denkbar, einen Platz in der Ausstellung für  die persönliche<s> </s>Geschichte einiger Patienten zu reservieren. Wir suchen nach solchen Erinnerungen, um die Ausstellung konkreter und persönlicher gestalten zu können, werden diese aber selbstverständlich anonym dokumentieren, es sei denn, wir erhalten die ausdrückliche Erlaubnis der Familien, ihre Namen zu benutzen.

Wir freuen uns darauf, dieses Projekt gemeinsam mit Ihnen umzusetzen als kleinen Schritt auf dem Weg der fortschreitenden Transformation der Wunden und des Leids der Vergangenheit, die uns bis in die Gegenwart betroffen machen.

Wir bedanken uns im Voraus für Ihre Teilnahme und Unterstützung,

im Namen des EIAB

Schwester Jewel,
Koordinatorin des “Heilende Herzen”-Projekts.

Bitte bringen oder schicken Sie uns Ihr Heilendes Herz bis zum 16. Juli 2012 zum EIAB zusammen mit dem ausgefüllten Formular. Das Formular finden Sie unter diesem Artikel als PDF zum Download.

Unsere Anschrift: EIAB, Schaumburgweg 3, 51545 Waldbröl
www.eiab.eu

Für weitere Informationen wenden Sie sich an Sr. Jewel: healinghearts(a)eiab.eu oder erkundigen sich telefonisch unter 02291-907-1373

Dateien:
formular.pdf45 K

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