So viele Küsterinnen und Küster hat Waldbröl mit Sicherheit noch nie gesehen: 170 VertreterInnen dieses gelegentlich in seiner Bedeutung unterschätzen kirchlichen Berufsstandes trafen sich am Montag zum gut besuchten 112. Küstertag der Arbeitsgemeinschaft rheinischer Küsterinnen und Küster (arkk) in der evangelischen Kirchengemeinde Waldbröl. Weil Küster ihre Arbeit als geistlichen Beruf verstehen, feierten sie zum Auftakt einen festlichen Abendmahlsgottesdienst vor allen teils schwierigen Beratungen. Musikalisch mitreißend gestaltet vom Sister Act Chor und dem Posaunenchor.

Gemeinde braucht vielfältige Gaben

Für seine Predigt hatte Superintendent Knabe beziehungsreich den Text Epheser 4,11 bis 16 ausgesucht, der die Vielfalt der Gaben und das Miteinander der unterschiedlichen Berufe in der Kirche beschreibt. Nicht zuletzt mit Blick auf die gegenwärtig vielen Prozesse von Neustrukturierung und Stellenstreichungen in der Kirche betonte er die Bedeutung einer vielfältigen gabenorientierten Mitarbeit vieler  in der Gemeinde als Leib Christi „Wir brauchen nach wie vor einen grundlegenden Personalmix aus Theologinnen und Theologen, Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusikern, Küsterinnen und Küstern sowie Gemeindereferentinnen und Gemeindereferenten zusätzlich zu den vielen sonstigen Aufgaben in den Gemeinden und Einrichtungen, damit die Gemeinden ausstrahlungsfähig bleibt“, führte er aus.

Grußwort von Waldbröls Bürgermeister

Nach der Eröffnung des Küstertages durch arkk Vorsitzenden Manfred Heller hieß Bürgermeister Peter Koester die Küsterinnen und Küster in der fast 20.000 Einwohner zählenden Stadt Waldbröl willkommen und wünschte gute Beratungen zu den anstehenden Fragen. Als Sohn des Organisten von Oberbantenberg habe er schon als Kind gemerkt, wie wichtig Küster seien: „Wenn die Glocken nicht läuteten, ging gar nichts mehr“.Koesters Erstaunen darüber, wie viele Frauen heutzutage im Küsterberuf zu finden seien, sorgte allerdings angesichts der unübersehbar großen Zahl der Küsterinnen im Raum für gelinde Heiterkeit.

Schleichende Stellenreduzierung …

Weil es in den vergangenen Jahren einen etwa 25prozentigen Abbau von Küsterstellen aufgrund von Sparmaßnahmen, Gebäudeschließungen und Gemeindefusionen gab, hatte der Vorstand der arkk Superintendent Jürgen Knabe gebeten, Erfahrungen aus dem Personalplanungskonzept im Kirchenkreis An der Agger vorzutragen. Laut Manfred Heller gab es 2009 im Küsterdienst noch etwa 3300 Mitarbeitende. Mitte letzten Jahres waren es lediglich noch 2600, von denen mehr als die Hälfte einen Vertrag mit weniger 16 Wochenstunden hatte. Im arkk organisiert sind zur Zeit 400 aktive Mitglieder.

…und was man dagegen tun könnte

Superintendent Knabe erläuterte, wie im Kirchenkreis An der Agger ein gesunder Personalmix sichergestellt werden soll. Grundlage für die Personalplanung sei hier zum einen, dass benachbarte, in Kooperationsräumen zusammengefasste Gemeinden sich in Personalfragen abstimmen müssen. So soll ein unkoordinierter Stellenabbau innerhalb derselben Berufsgruppe vermieden werden. Zum anderen gibt es einen festen Schlüssel für das zahlenmäßige Verhältnis von Pfarrstellen und anderen Stellen anderer Hauptamtlicher wie Kirchenmusiker, Küster und Gemeindereferenten. An der Agger will man die Vielfalt der unterschiedlichen Berufe erhalten. Denn Pfarrer allein können weder die Arbeit schaffen, noch können sie alles.

Alle müssen sich einbringen 

„Wichtig ist, dass der gesamte Prozess der Personalplanung auf der Ebene der Kirchenkreise und Gemeinden ganz neu entdeckt wird. Wichtig ist aber auch, dass Sie als die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bereit sind, sich in diesem Prozess einbinden zu lassen. Dafür brauchen die Gemeinden und Kirchenkreise Ihre aktive Bereitschaft und Mitarbeit“, so Jürgen Knabe.
Ein Appell, der auf offene Ohren stieß: Die arkk sei bereit, als Berufsverband bei der Personalplanung in den Kreissynodalvorständen mit am Tisch zu sitzen, so Manfred Heller.

Ehrenamtliche für die Mitarbeit gewinnen

Weiterhin warb Superintendent Jürgen Knabe dafür, dass sich Küster aktiv in das einbringen, was früher „Zurüstung der Heiligen“ geheißen habe, jetzt aber in der Landeskirche unter dem Stichwort „empowering“ diskutiert werde. Gemeint ist die Beteiligung von Ehrenamtlichen, die für den Bereich Küsterdienst motiviert und geschult werden sollen. Das geschehe vielerorts seit langem, so Manfred Haller, der in einer Duisburger Gemeinde bereits gute Erfahrungen mit dem gemeindeübergreifenden Küsterdienst macht. Auf diese Weise, so seine Hoffnung, könnten künftig Küsterstellen mit 75 oder 100 Prozent Dienstumfang erhalten bleiben.
Das sei bei aller ehrenamtlichen Mitarbeit nötig, betonte auch Jürgen Knabe: „Es wird immer deutlicher, dass die Verantwortung für die Gebäude professionell wahrgenommen werden sollte, um langfristig teure Folgeschäden zu vermeiden“.
Der nächste Küstertag wird in Altenberg stattfinden. Wo allerdings die nächste Rüstzeit  stattfinden wird, die die „Küstergewerkschaft“, ihren Mitgliedern regelmäßig  anbietet, noch nicht fest. Bisher fand sie traditionsgemäß im Haus Bierenbachtal statt, das zum Bedauern vieler zum Jahresende schließt. 
Text und Fotos: Karin Vorländer