Wie in anderen Kommunen auch, stellt die Unterbringung, Versorgung und Betreuung der ankommenden Flüchtlinge auch die Stadt Waldbröl und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor immense Herausforderungen.
Waren es im November 2014 noch 86 Asylbewerber, so hat sich die Zahl innerhalb von 10 Monaten verdreifacht. Geht man davon aus, dass es in der derzeitigen Intensität mit wöchentlichen Zuweisungen von Æ 12 Personen weiter geht, muss von einer Gesamtpersonenzahl am Jahresende von annähernd 400 Personen ausgegangen werden. Dies bedeutet, dass die Stadt noch weitere 160 Plätze bis zum Jahresende bereitstellen muss.
Damit wird deutlich, dass auch die Stadt Waldbröl hinsichtlich der Bereitstellung von Wohnraum an ihre Grenzen stößt. Längst wurden 30 Wohnungen und 3 Häuser zusätzlich zum bereits existierenden Übergangswohnheim in Hermesdorf angemietet. Und nun folgt die Belegung des ehemaligen Sängerheims am Busbahnhof in Waldbröl. Nach den entsprechenden Genehmigungen und Umbauarbeiten steht das Gebäude nun zur Nutzung zur Verfügung. Die Kapazität soll nur im Ausnahmefall in Anspruch genommen werden und lediglich der Abfederung von Zuweisungsspitzen dienen. Derzeit erhält die Stadt Waldbröl Zuweisungen, die einen Vorlauf zum Herrichten von Wohnraum von maximal drei Tagen erlauben, Wochenenden eingerechnet. Dies ist bisher immer gelungen, es wird aber schwieriger. Parallel wird fast täglich neuer Wohnraum besichtigt und angemietet.
In diesem Zusammenhang sei der Hinweis erlaubt, dass es keine Pauschalen gibt, die sich nach Personen und Tagen berechnen, wie es vielfach behauptet wird. Die Mieten werden nach wie vor nach Mietspiegel gezahlt und richten sich nach den Gegebenheiten des Hauses oder der Wohnung.
Um die Unterbringung in den angemieteten Objekten und deren Betreuung kümmern sich dann die beiden Sozialarbeiter der Stadt Waldbröl in Verbindung mit einem Mitarbeiter aus den Reihen der Asylbewerber. Durch den stets steigenden Zuzug ist man auch im Rathaus enger zusammengerückt. Es ist gelungen, rund 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus allen Fachbereichen zu einem Helfer-Pool zusammenzuführen. Dieser Pool hilft den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Sozialamtes in vielfältiger Weise, von Verwaltungsaufgaben und Einkäufen bis hin zu der Unterstützung durch den Bauhof bei der Herrichtung von Wohnraum. Andere Aufgaben bleiben dadurch aber auch zwangsläufig liegen.
Bei allen Problemen und Herausforderungen erfährt die Stadt Waldbröl andererseits eine große Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung, sei es durch Bereitstellen von Wohnraum, Spenden von Möbeln und Kleidung bis hin zu Fahrradspenden. Darüber hinaus existiert eine ganz enge Zusammenarbeit, auch praktischer Natur, mit dem „Kaufhaus für Alle“ und dem „Freundeskreis Asyl“.
Der „Freundeskreis Asyl“ unter Leitung der Eheleute Margrit und Dieter Brüser ist eine ehrenamtliche Flüchtlingshilfe mit inzwischen 50 freiwilligen Helferinnen und Helfern. Er hat sich zur Aufgabe gemacht, den Flüchtlingen ein Stück Wegbegleiter zu sein.
Seine Ziele sind:

  • Hilfe im Alltag bieten,
  • Sprachbarrieren überbrücken,
  • soziale Kontakte ermöglichen.

Diese Ziele werden durch folgende Maßnahmen erreicht:
Durch Presseberichte, Informationsveranstaltungen und ein jährliches Begegnungsfest sollen Waldbröler Bürgerinnen und Bürger für die Mitarbeit gewonnen werden.
Beim wöchentlichen Spieletreff begegnen sich Flüchtlinge und Asyl-Mitarbeiter.
In den vier niederschwelligen Sprachkursen im ev. Vereinshaus in Hermesdorf und im „Haus für Alle“ lernen die Asylbewerber die deutsche Sprache. Daran nehmen z. Z. ca. 40 Personen aus unterschiedlichen Ländern teil. Sie werden von 14 ehrenamtlichen Lehrpersonen unterrichtet.
Parallel zu einem Sprachkurs werden Kleinkinder und Säuglinge betreut, damit die jungen Mütter auch Deutsch lernen können.
Bei der Kontaktaufnahme zu verschiedenen Vereinen helfen Asyl-Mitarbeiter.
Die Flüchtlinge werden zu unterschiedlichen Veranstaltungen eingeladen, z. B. zu Konzerten, Ausflügen, Museumsbesuche, Stadtbummel in Köln oder Bonn.
Gespendete Fahrräder werden überholt, gegebenenfalls repariert und dann an die Flüchtlinge verteilt.
Um die vielen Flüchtlinge, die über das ganze Stadtgebiet verteilt in Wohnungen leben, ausreichend zu unterstützen, wird ein Patennetzwerk aufgebaut, wobei auch mehrere Ehrenamtler sich um eine Familie kümmern. Je nach den individuellen Möglichkeiten der einzelnen Paten sieht die Unterstützung wie folgt aus:

  • Weitere Besuche zum Kennenlernen und Vertrauen aufbauen,
  • Hilfe bei Korrespondenz,
  • hauswirtschaftliche Hilfestellung,
  • Begleitung zum „Kaufhaus für Alle“ und zur „Tafel“,
  • Begleitung zu Ärzten und Behörden,
  • Begleitung zu Schul- und Kindergartenanmeldung,
  • Hilfe beim Abbauen von Sprachbarrieren,
  • zu sich nach Hause einladen,
  • gemeinsam kochen,
  • gemeinsame Ausflüge unternehmen,
  • gemeinsam Veranstaltungen besuchen,
  • mit dem Freundeskreis Veranstaltungen planen, vorbereiten, teilnehmen (z. B. Begegnungsfest, Weihnachtsfeier,…).

Wir sind sehr froh, dass das Netzwerk so gut funktioniert und wir als Verwaltung und insbesondere als Sozialamt durch so viele helfende Hände Unterstützung erfahren. Vielen Dank an alle Bürgerinnen und Bürgern für die Unterstützung, vielen Dank dem städtischen Bauhof, den Verwaltungsmitarbeiterinnen und -mitarbeitern, den Sozialarbeitern, dem „Kaufhaus für Alle“, dem „Freundeskreis Asyl“ und allen Menschen, die darüber hinaus im Hintergrund arbeiten und helfen, sei es durch Rat, Tat oder auch Geld.
Doch bei allem Optimismus muss man auch kritisch anmerken, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter rund um die Sozialamtsleiterin Kornelia Wagener und den Sozialarbeiter Ulrich Jacob die Belastungsgrenze erreicht haben und auch eine mögliche bessere finanzielle Ausstattung längst kein Garant dafür ist, dass alle Herausforderungen bewältigt werden können. Es muss eine politische Lösung geben hinsichtlich der Zuzugsquoten, denn sowohl der Wohnungsmarkt als auch die finanziellen Möglichkeiten der Stadt Waldbröl sind endlich. Wie lange dieses System noch funktioniert, weiß heute niemand. Kollabieren kann und wird es vermutlich im Falle einer Zuweisung eines großen Kontingentes und der Aufforderung zum Stellen einer Erstaufnahmeeinrichtung. Selbst die Lieferungen von Ersteinrichtungsgegenständen der Wohnungen, wie Betten und Schränke ist längst allgemein ins Stocken geraten.

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