„Das war die interessanteste Veranstaltung, die wir je in der Schule gehabt haben“, resümierte Luisa aus der 10a und Emma ergänzte: „Dass das alles so krass ist und ständig so im Mittelmeer passiert, war mir gar nicht klar“. Am 1. Oktober war Kurt Schiwy zu Gast an der Gesamtschule Waldbröl. Schiwy engagiert sich seit einigen Jahren bei „Sea Watch“, einer privaten Seenotrettungsorganisation und war schon mehrfach Helfer auf einem der Schiffe, der „Sea Watch 3“.

Schiwy erzählte eindrucksvoll, wie er zum Seenotretter wurde: Beim morgendlichen Gang zum Kiosk hatte er auf den Titelseiten der Zeitungen das Bild des ertrunkenen Jungen Alan Kurdi am Strand der türkischen Ägäis gesehen. Das Bild ging damals um die Welt. Die Vorstellung, dass Kinder im Meer ertrinken und an den Strand gespült werden, ließ den Fernmeldetechniker, dessen eigener Sohn damals in Alans Kurdis Alter war, nicht los. Der Entschluss reifte, dass er sich dieser Verantwortung stellen musste.

In seinem mit Bildern gestützten Vortrag stellte Schiwy die Arbeit an Bord und die oft schwierige Bergung der Geflüchteten aus ihren unsicheren Booten anschaulich dar. Die Berichte von konkreten Schicksalen beeindruckten die Schülerinnen und Schüler und ihre Lehrerinnen und Lehrer am meisten. So erzählte der Seenotretter von der fast unmöglichen Rettung einer Frau, die unter Einsatz aller körperlichen Kräfte in das Rettungsboot gehievt werden musste. Erst später wurde klar: Bei der Flucht hatte ihr ein Angehöriger einer Miliz mit dem Gewehrkolben den Knöchel zertrümmert, sodass sie nicht auftreten (und helfen) konnte. Ein anderer Bericht erzählte von der Rettung von 30 schwangeren Frauen aus einem kleinen Boot, von denen eine dann auf der „Sea-Watch“ ihr Baby zur Welt brachte.

Schiwy erinnerte an andere historische Situationen, in denen Geflüchtete bspw. während des zweiten Weltkriegs aus höchster Not gerettet werden mussten. Gleichermaßen stellt er es als ernüchternd dar, dass es auch heute noch ähnliche Situationen geben muss. Heute verläuft die gefährlichste Grenze der Welt zwischen Europa, Afrika und dem Nahen Osten quer durch das Mittelmeer.

Dem etwa einstündigen Vortrag folgte eine Diskussion mit Schülern und Lehrern. Das ganze wurde wiederholt, so dass jeweils zwei Klassen des Jahrgangs 10 gemeinsam in der Mensa der Schule zuhörten und diskutierten. Die Schülerinnen und Schüler zeigten sich wie die Lehrpersonen äußerst beeindruckt von den dargestellten Zuständen – und vielen blieben die Bilder auch noch lang nach der Veranstaltung im Gedächtnis.