Wie sieht die medizinische Versorgung im ländlichen Raum aus? In Waldbröl
suchte die Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes Nordrhein-Westfalen, Barbara Steffens, am Freitag auf Einladung des Kreisverbandes von Bündnis 90/Die Grünen Antworten. Auf dem Programm der Ministerin stand auch der Besuch im Kreiskrankenhaus Waldbröl. Dabei nannte die Gesundheitsministerin die Verlegung der Kinderstation sowie der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe in die Kreismitte „einen nachvollziehbaren Schritt, den das Krankhaus gehen musste“.
Nachvollziehbar seien aber auch die Reaktionen auf den Verlust der Abteilungen in der Bevölkerung von Waldbröl. „Nordrhein-Westfalen-weit wird nicht mehr jedes Krankenhaus alles vorhalten können“, sagte Barbara Steffens.
Der Hauptgeschäftsführer des Klinikum Oberberg, Joachim Finklenburg, wies bei der Vorstellung des Kreiskrankenhauses darauf hin, dass in Kinderklinik und Gynäkologie die Belegungszahlen seit Jahren rückläufig seien. „Vor allem Abteilungen, die sich um Kinder kümmern, spüren den demographischen Wandel“, erklärte Finklenburg. „Seit rund einem Jahr arbeiten daher Geschäftsführung, Chefärzte, Pflegedirektion, Betriebsrat, Aufsichtsrat und Gesellschafter an einem zukunftsweisenden Konzept für das Klinikum Oberberg und vor allem für das Kreiskrankenhaus Waldbröl.“ Ende 2010 sei das Zukunftskonzept beschlossen worden, das die teilweise Verlagerung der Psychiatrie von Gummersbach nach Waldbröl vorsehe. „Im Südkreis klafft gerade in der Psychiatrie eine Versorgungslücke“, weiß Finklenburg. Für diese Patienten wolle das Krankenhaus künftig ein wohnortnahes Behandlungsangebot schaffen. Zudem investiere das Krankenhaus in die energetische Sanierung mit einem neuen Blockheizkraftwerk und der Erneuerung von Fenstern und Fassade. Die Bauarbeiten für eine neue Notaufnahme laufen auf Hochtouren, wovon sich die Ministerin mit eigenen Augen überzeugen konnte. Dort wo bis Ende 2010 noch Notfälle versorgt wurden, ist jetzt eine Großbaustelle. „Hier werden wir im Herbst eine neue Notaufnahme, eine Aufnahmestation und Räume für die Funktionsdiagnostik für rund 3,5 Millionen Euro in Betrieb nehmen“, kündigte Magnus Kriesten an, Geschäftsführer des Kreiskrankenhauses Waldbröl. „Wir laden Sie herzlich ein, die neue Notaufnahme einzuweihen“, lud Finklenburg die Gesundheitsministerin ein. Sie lobte das Engagement des Klinikum Oberberg in der Aus- und Weiterbildung. So werden im Gesundheits- und Bildungszentrum Oberberg nicht nur Schwestern und Krankenpfleger ausgebildet, sondern auch Weiterbildungen angeboten zum Beispiel zum Operationstechnischen Assistenten und zum Case Manager. Um junge Ärzte für alle Standorte des Klinikums zu gewinnen, biete man zum Beispiel Stipendien an. „Wir fühlen uns als kommunale Häuser in der Pflicht, uns in der Region zu engagieren“, sagte Finklenburg. „Wir engagieren uns mit beiden Kreiskrankenhäusern auch für die Ausbildung von Hausärzten.“ Das Klinikum Oberberg hat zusammen mit Hausärzten im Oberbergischen Kreis und der Ärztekammer das erste abgestimmte Weiterbildungscurriculum zur Ausbildung von Allgemeinmedizinern entwickelt und umgesetzt. Zusätzlich bietet das Klinikum drei Stellen in den beiden Kreiskrankenhäusern und in Hausarztpraxen im Kreisgebiet an, um den Nachwuchsmedizinern die Ausbildung zum Facharzt zu ermöglichen und sie an die Region zu binden.
Seit die beiden Kreiskrankenhäuser unter dem Dach der Klinikum Oberberg GmbH vereint sind, wurden rund 8 Millionen Euro in den Standort Waldbröl investiert. „Und dabei wird es nicht bleiben“, kündigte der Hauptgeschäftsführer an.