Es duftet auf Station 9.2 nach Schweinebraten und Klößen. Mit einem rollenden Buffet fährt Küchenchef Norbert Nieborowski auf die Station. Heute kommt der Küchenchef persönlich, möchte er doch wissen, wie der neue Service bei den Patienten im Kreiskrankenhaus Gummersbach ankommt. Die beiden Kreiskrankenhäuser in Gummersbach und Waldbröl bieten seit einigen Tagen im Rahmen einer Testphase auf zwei Stationen Frühstück, Mittag- und Abendessen an einem Servierwagen an. Lasse Hasenforther, der nach einem Sportunfall einige Tage im Krankenhaus behandelt werden muss, begutachtet die Auswahl, die eine Service-Assistentin in dampfenden Töpfen hinter einer Glasscheibe präsentiert. „Ich kann das essen, was ich gerade gut finde“, lobt der junge Mann die Möglichkeit, spontan zwischen Kroketten, Klößen, Schweinebraten, Salat,
Bohnen und noch einigen Speisen mehr auszuwählen. „Hier fühlt man sich nicht so krank, wenn man wie im Selbstbedienungsrestaurant das Essen auswählen kann“, ergänzt Carolyn Freter, die ihren verletzten Sohn besucht.
Das hört der stellvertretende Pflegedienstleiter, Rainer Drevermann, gern. „Wenn die Patienten zufrieden sind, dann hat es auch das Pflegepersonal leichter.“ Auch Drevermann ist in diesen Tagen oft auf Station 9.2 anzutreffen, um die Testphase des neuen Serviceangebotes zu begleiten. „Die Reaktionen von Patienten und Mitarbeitern sind durchweg positiv.“
Patienten, die das Bett nicht verlassen können, werden weiterhin von den Krankenschwestern und Pflegern versorgt. „Alle anderen Patienten möchten wir mobilisieren und Ihnen mehr Service bieten“, sagt Drevermann. Zwei Servicekräfte servieren am Buffetwagen die Speisen und helfen beim Tragen der Tabletts. Sonderkostformen wie sie zum Beispiel Diabetiker benötigen sind auf dem rollenden Buffet ebenfalls zu finden. „Die Servicekräfte stimmen sich immer mit dem Pflegepersonal darüber ab, welcher Patient welche Speisen essen darf“, erklärt Drevermann.
Zwischen 12 und 13.30 Uhr steht der Buffetwagen auf der Station, auch morgens und abends stehen die Speisen für eineinhalb Stunden zur Verfügung. Patienten, die noch zu einer Untersuchung müssen, haben auf diese Weise Zeit genug in Ruhe zu essen und finden immer ein heißes Mittagessen vor.
Schon nach ein paar Tagen der Testphase stellt Küchenchef Nieborowski fest: „Es kommen weniger Reste zurück, da die Patienten sich die Portionen nach ihrem Appetit selbst einteilen können.“ Und natürlich gibt es die Möglichkeit noch einen Nachschlag zu bekommen. Mit kritischem Blick begutachteten am Donnerstag die für die Lebensmittelkontrolle zuständigen Mitarbeiter des Veterinäramtes des Oberbergischen Kreises, Tierärztin Nicole Arnold und die Lebensmittelkontrolleurin Carmen Steudtner, das Servieren der Speisen an dem Buffetwagen. „Uns interessiert vor allem, ob die Speisen die Temperatur halten“, erklärt Nicole Arnold. Wichtigstes Ziel sei, dass die Patienten mit dem Essen zufrieden seien. „Wir haben einen guten Eindruck und wir sind gespannt auf die Ergebnisse des Praxistests.“
Das Klinikum Oberberg hat an alle Patienten, die an der Testphase teilnehmen, einen kurzen Fragenkatalog ausgegeben. Genauso werden die Mitarbeiter befragt. Der Praxistest läuft noch bis Oktober.